Der Sündenfall 4.0 braucht keine Schlange, er braucht nur ein unverschlüsseltes Netzwerk. In der Kathedrale der Digitalen Vergebung kostet die Absolution meistens mehr als nur drei Vaterunser – meistens sind es ein paar Terabyte an sensiblen Daten. Hier drin riecht es nach Weihrauch und erhitzten Platinen.
„‚Vergib mir, Vater, denn ich habe gesündigt. Ich habe ein goldenes Artefakt gestohlen und dabei vermutlich das Schicksal von Sektor 4 korrumpiert.‘ Der Priester antwortet nicht sofort. Ich höre nur das leise Surren seiner Kühlventilatoren. Er wirkt nachdenklich, oder sein Betriebssystem installiert gerade ein Update. ‚Sohn‘, flüstert er schließlich, hast du wenigstens ein Backup von ⬛ gemacht?‘“
Im Beichtstuhl von Neo-Eden gibt es keine Geheimnisse, nur verschlüsselte Dateien, für die der Klerus den Master-Key besitzt.
Der Priester lehnt sich vor, das Neonlicht seines Heiligenscheins flackert kurz im Rhythmus einer eingehenden Nachricht. Er senkt die Stimme, während auf seinem Tablet kryptische Runen in Gold erscheinen. Es ist kein Flüstern, es ist ein binärer Segen.
„‚Mein Sohn‘, sagt er mit einer Stimme, die verdächtig nach einer Autotune-Version eines Erzengels klingt, ‚der Herr sieht alles, aber die Firewall der Oberschicht hat tote Winkel. Mein göttlicher Rat: Vertraue nicht dem Gold, das glänzt, sondern dem Code, der schweigt. Wenn du den Apfel behalten willst, musst du lernen, mit Ihm umzugehen. Aber sei auf der Hut und beiß bloß nicht rein! Und lösch verdammt noch mal deinen Browserverlauf, bevor du Sektor 4 betrittst. Selbst Gott vergibt nicht alles, was in deinen Cache-Dateien steht.‘“
Ein letztes Klicken, das Geräusch einer digitalen Absolution. Der Rat ist gratis, aber die Umsetzung wird ihn Kopf und Kragen kosten.
Schreibe einen Kommentar